Bauherr Stadt Göppingen

Fertigstellung 2015

 

Mehrfachbeauftragung 1. Rang

Nominierung für den Staatspreis Baden-Württemberg

 

 

Die Entwicklungsgeschichte des heutigen Schlossplatzes reicht bis in die Mitte des 16. Jahrhunderts zurück. Herzog Christoph von Württemberg ließ das Schloss als schlicht gehaltene Vierflügelanlage durch seinen Landbaumeister Aberlin Tretsch 1557 bis 1568 erbauen. Das Schloss gehört zusammen mit der benachbarten Stadtkirche (1618 bis 1619, Heinrich Schickhardt) und dem Marstallgebäude zu den wenigen Gebäuden, die den „großen Stadtbrand“ von 1782 überstanden haben.

Beim Wiederaufbau nach dem Brand wurde der bis dahin mittelalterliche Stadtgrundriss in frühklassizistischer Ausprägung neu geordnet. Der bis dahin eher amorphe Umraum um das Schloss erhielt dadurch platzartig definierte Raumkanten.

Nicht nur wegen der Stadtgeschichte, sondern auch wegen der Lage in der heutigen Stadtstruktur kommt dem Schlossplatz eine zentrale Bedeutung zu. In seiner Funktion als Stadteingang in die historische Innenstadt von Nordwesten bildet er ebenso den Auftakt der Platzfolge entlang der Pfarrstraße nach Osten wie auch als Baustein in der Reihe der mittelalterlichen Restbebauung nach Süden.

 

Der seit dem 19. Jahrhundert von einer Doppelreihe Kastanien bestandene Platz wurde zuletzt als Parkplatz benutzt und vom Fahrverkehr durchkreuzt. Als urbaner Stadtraum bis hinein in den Zustand aller Oberflächen befand er sich in einem bemitleidenswerten Zustand.

 

Das Ziel der Neugestaltung war es, den historischen Schlossplatz als urbanen Stadtraum durch eine Reihe von ineinandergreifenden Maßnahmen wieder erlebbar werden zu lassen. Zunächst wurde der Platz vom Durchgangsverkehr und auch weitgehend vom ruhenden Verkehr befreit. Die bestehende Topografie war der Anlass für verschiedene Interventionen, die in der Summe eine Reihe ebener Flächen erzeugen, die den Platzraum reliefartig in unterschiedlich nutzbare Teilbereiche gliedert. Dadurch ergeben sich auch eine Ausdifferenzierung zwischen Weg- und Orträume. Zusätzlich wurde als räumliche Setzung ein Baumgeviert aus Kastanien gepflanzt. Dadurch gliedert sich die Gesamtfläche als „Platz und Piazetta“  in zwei unterschiedlich große Freibereiche. Seit der Neugestaltung wird das Eckgebäude Pfarrstraße gastronomisch genutzt und betreibt seither unter dem Baumgeviert eine den Platzraum belebende Außenbewirtung.

Der gesamte Schlossplatz ist einheitlich und richtungslos (Passeèpflaster) gepflastert. Für den Platzbereich vor dem Marstall wurde eine neuer Brunnen entworfen. Die bereits bestehende Brunnenplastik von Prof. Nuss wurde dabei integriert. Sie steht als freie Plastik in der neuen Brunnenanlage, die als „Seerosenteich“ ausgebildet ist.

Das historische Schlossportal erhielt mit einem vorgelagerten Podest die angemessene Fassung.

 

Die unmittelbaren Anlieger waren am Gestaltungsprozess beteiligt. Die Bürgerinnen und Bürger wurden durch Bürgerversammlungen wie dem Innenstadtforum und durch Workshops in den Entwicklungsprozess eingebunden, so auch durch eine Veranstaltung in der direkt am Schlossplatz gelegenen Stadtkirche. Mit einem Projekt namens „Stadtoasen“ gab es eine „kreative Generalprobe“ in Form einer öffentlichen Veranstaltung zur Belebung des öffentlichen Raums.

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© cheret bozic architekten bda dwb