Fertigstellung 2014

Bauherr Stadt Weinstadt, vertreten durch Herrn 1. BM Thomas Deißler

 

1. Preis Bundeswettbewerb - Bauen mit nachwachsenden Rohstoffen -

Kategorie "Öffentliches Bauen - Sanierung"

Ministerium für Ernährung und Landwirtschaft

 

 

Die Stadt Weinstadt besteht aus fünf Teilgemeinden, die nach der Baden-Württembergischen Gebietsreform zu einer Verwaltungseinheit zusammen gefasst wurden. Der Bau für die neue zentrale Verwaltung führte dazu, dass sämtliche historischen Rathäuser ihre Funktion verloren. So auch in Beutelsbach: das historische Rathaus, Bauzeit 1534, wurde ab Mitte der 60er Jahre mit bescheidenen Mitteln zum Heimatmuseum umgebaut. Mit der Freilegung des bis dahin verputzten Fachwerks und dem Einbau der Arkade kam es 1977 zu den letzten Eingriffen in  die Struktur des Gebäudes.

 

Beutelsbach ist der nachweislich erste Stammsitz des Hauses Württemberg und gilt als die "Wiege Württembergs". 2014 jährt sich zum 500sten Mal der Bauernaufstand "armer Konrad", der in Beutelsbach seinen Ausgangspunkt genommen hatte und dessen in Form einer transkommunalen Ausstellungsreihe gedacht wird. Dies war der Ausgangspunkt für den Rat in Weinstadt, das in die Jahre gekommene Bauwerk gründlich zu sanieren und künftig als „Haus Württemberg“ zu betreiben.

 

Nach etwa einjähriger Bauzeit konnte am 9.Mai im neu gestalteten Erdgeschoß die Ausstellung „Armer Konrad“ eröffnet werden. Sie ist eine Wechselausstellung und wird im Lauf des Jahres der Dauerausstellung weichen.

 

Ausgehend von einem architektonischen Gesamtkonzept waren umfangreiche Sanierungen in der Gebäudehülle erforderlich. Infolge der Eingriffe seit den 1970er Jahren kam es zu einer Reihe von Schäden in der tragenden Substanz. In enger Abstimmung mit der Denkmalpflege galt es, den Bestand im Äußeren fachgerecht zu sanieren und im Inneren den technischen und baurechtlichen Standards für die künftige Nutzung herzustellen.

 

Das historische Rathaus entspricht dem bauzeitlichen Typus: im Erdgeschoß die offene Markt- und Gerichtshalle, im ersten Obergeschoß die Räume für den Rat und im Dachgeschoß die Lagerräume. Die architektonische Absicht war es, dieser regional verorteten Typologie durch Rückbau wieder möglichst nahe zu kommen. Der benachbarte ehemalige Farrenstall wurde mit in das räumliche Konzept mit einbezogen. Dort befinden sich notwendige Nebenräume und ein Raum, der ebenso als museumsdidaktischer Raum für Kinder wie auch bei Festen auf dem Vorplatz als Versorgungsraum dienen kann.

Das erste Obergeschoß ist zwar in seiner vorgefundenen räumlichen Struktur erhalten geblieben, wurde jedoch im Rahmen des gestalterischen Gesamtkonzepts umfassend saniert.

 

In der äußeren Gestaltung sind die neue Außentreppe und der Aufzugsturm die augenfälligsten gestalterischen Merkmale. Beide Elemente lassen trotz der an die vorherige Freitreppe  erinnernden Elemente als neuzeitlich erkennen. Beiden ist die Bekleidung mit großformatigen Holzwerkstoffplatten gemeinsam und auch das ornamentale Spiel in der Oberfläche. Bei den Holzplatten handelt es sich durch die Methode der Acetylisierung modifiziertes Holz (Accoya), das als sehr dauerhaft gilt.

 

Der gesamte Entwurfs-, Planungs- und Bauprozess erfolgte in enger Abstimmung mit den Vertretern der Stadt Weinstadt. Das Verhältnis zwischen Bauherrschaft und Architekten kann als nahezu ideal bezeichnet werden.

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